Die Messbojen des Eriesees

Die eine verhindert eine Katastrophe, die andere hat schon eigene Fan-Shirts: Die mit Lufft-Sensoren ausgestatteten Messbojen auf dem Eriesee, erfüllen wichtige Funktionen und liefern Daten über das wertvolle Wasser des Sees. In diesem Beitrag berichten wir über zwei interessante Messbojenprojekte, von denen eine das Leitungswasser von Toledo beobachtet und die andere unter anderem Wellenhöhen sowie –Frequenzen misst.

2014_Buoy WS501 Lake Erie Pennsylvania

Foto-Credit: Doug Nguyen, NexSens Technology

Toledo, eine Stadt in  Ohio, bezieht ihr Leitungswasser aus dem Eriesee, der westlich an die Stadt angrenzt. 500.000 Einwohner hängen von dieser Wasserquelle ab und wurden Anfang August 2014 aufgefordert, dies weder zu trinken noch darin zu baden. Grund war eine giftige Alge, die sich zu der Zeit im See ausbreitete und damit das Wasser ungenießbar machte. Dieses Ereignis beschleunigte ein kürzlich zuvor gestartetes Messbojen-Projekt: Bereits wenige Tage nach Ausbruch der Algenplage war die geplante Boje komplett installiert und funktionstüchtig. Verantwortlich für die Planung und Installation waren die Ingenieure der LimnoTech, eine führende Umwelttechnik-Beratungsfirma.

Das Resultat ist ein Messbojen-Sensorsystem, das in der Lage ist, Wind, Wellen, Strömungen und Wasserqualität auf einmal und in Echtzeit zu messen. Außerdem werden Wassertemperatur, Leitfähigkeit, pH-Wert, Oxidationsreduktionspotential und Trübung des Wassers erkannt. Das erfordert natürlich die Montage und Verbindung vieler Sensoren in einem System. Neben einer Videokamera, die im Stundentakt Bilder und kurze Videos zur Verfügung stellt, eine Wasserqualitätssonde (zur Algenmessung) und einem Wellenfühler befindet sich die Lufft WS501-UMB zur Messung der Umweltwetterdaten auf dem Kopf der Boje. Der All-In-One Wettersensor kann Windgeschwindigkeiten und -Richtungen, Lufttemperaturen, die relative Feuchtigkeit, den Taupunkt, Luftdruck und Globalstrahlung messen.

Diese Boje liefert mehr Daten auf einmal als alle anderen im westlichen Becken des Eriesees und kann sich mithilfe von Solarzellen selbst mit Energie versorgen. Dank ihr erhalten verschiedene Interessensgruppen Zugang zu wichtigen Informationen: So findet z.B. das NOAA National Data Buoy Center sowie der Nationale Wetterdienst Anwendung für die Messresultate, besonders in Hinblick auf Wettervorhersagen. Auch die Algenkulturen lassen sich mit ihrer Hilfe beobachten und möglicherweise in Zukunft vorhersagen.

Die Wetter- und Wasserwerte werden vom Michigan Tech Research Institute in Kooperation mit dem Great Lakes Research Center zur Verfügung gestellt und können unter uglos.mtu.edu verfolgt werden. Weitere Informationen finden Sie auch unter fondriest.com.

Eine weitere Boje, die sich östlich des Sees befindet und die zum Bundesstaat Pennsylvanien gehört, liefert ähnliche Daten. Hierbei handelt es sich um ein Projekt des Regional Science Consortiums, eine NGO, die sich um Bildungs- und Forschungsprojekte im Eriesee kümmert. Sie dient der Sicherheit von Boots- und Fischertouristen aber auch dem Nationalen Wetterservice sowie dem Nationalen Data Buoy Center. Da in der Nähe der Messstation häufig Stürme auftreten, kann nun vor Winden in Verbindung mit hohen Wellen gewarnt werden. Aber auch die Pennsylvania Fish and Boat Commission profitiert von den umfangreichen Messdaten und kann mithilfe der Messungen Fischstudien anfertigen.

Finanziert wurde das Projekt vom der Great Lakes Observing System Assoziation, eine Vereinigung bundesstaatlicher, regionaler, akademischer und privater Beteiligten, die sich mit neuen Methoden und Technologien zur Verbesserung bzw. Schutzes der Sicherheit, Wirtschaft und Umwelt, beschäftigt. Zukünftig soll das Projekt durch Spenden und T-Shirt-Verkäufe bezahlt werden.

Die Messboje im pennsylvanischen Teil des Eriesees ist ein kleiner Star geworden und die zugehörige Webseite ist inzwischen hochfrequentiert (48.000 Aufrufe in zwei Monaten). Sie bietet die Einsicht über die Messdaten Wasserqualität, Wellengänge, Wetterdaten (geliefert von einem Lufft WS501-UMB). Die Messdaten werden mithilfe einer in die Boje eingebauten Telemetrie-Einheit und einem GPS-Empfängers übertragen. Des Weiteren ist auch dieses Exemplar mit einer Kamera und Solarzellen ausgestattet, die die eigenständige Stromversorgung möglich machen. Neben dem Internetauftritt gibt es auch Visitenkarten und Fensterbilder, auf denen sich ein QR-Code, der zur Homepage des Projektes führt, befindet.

Hier gelangen Sie zu der Datenausgabe der „Near Shore Boje“: wqdatalive.com.

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